Lagerbewegungen mittels 2D-Code-Erfassung bei der Zwischenlagerung und Entsorgung von radioaktivem Abfall erfassen und dokumentieren.

Abfälle aus kerntechnischen Anlagen sind radioaktiv und damit für Menschen gefährlich. Deshalb muss radioaktiver Abfall bei der Wiederaufbereitung, Zwischenlagerung und Entsorgung auf besondere Weise behandelt werden. Hierbei geht es mitunter auch um das Erbringen der Dokumentationspflicht unter Berücksichtigung der Sicherheit der Mitarbeiter. Dazu gehört die Erfassung von Materialbewegungen mit mobilen 2D-Code-Scannern und die Anbindung an die IT zur Nutzung der Daten – also typische Aufgaben für die Circlon |group, auch wenn die Nukleartechnik zugegebenermaßen einen gewissen exotischen Charme hat. Solche Track-and-Trace-Lösungen, bei denen auch die Arbeitssicherheit eine große Rolle gespielt hat, nutzen beispielsweise die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE) und die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN).

Die JEN ist Betreiber eines Zwischenlagers für radioaktive Abfälle, das sich auf unterschiedliche Lagerbereiche erstreckt, wobei man gemäß der Strahlenschutzgesetzgebung verschiedenen Pflichten nachkommen muss. Erik Kisant, bei der JEN in der Hauptabteilung Dekontamination und Entsorgung zuständig für das Datenmanagement, betont die Bedeutung von Track & Trace im Lager und beim Transport: „Aufgrund behördlicher Auflagen ergibt sich die Pflicht zur Buchführung für radioaktive Abfälle und zur genauen Abbildung von Lagerhaltungsprozessen in der IT. Das Erfassen von Ein- und Umlagerungen unter Verwendung von 2D-Codes mittels Handscanner erhöht an dieser Stelle die Sicherheit und Integrität der Daten.“

 

Lagerlösung in der KTE

Auch die Verantwortlichen in der KTE kennen diese Problematik. Die KTE ist zuständig für den Rückbau aller stillgelegten kerntechnischen Anlagen am Standort Karlsruhe. Weiterhin liegen alle Aufgaben zur Entsorgung der radioaktiven Abfälle in den Händen des Unternehmens. Das beinhaltet die vollständige Verarbeitung aller anfallenden radioaktiven Reststoffe zu endlagerfähigen Abfallgebinden und deren Zwischenlagerung bis zur Abgabe an ein Bundesendlager.

Bereits Anfang 2015 hatte die Circlon | group für die KTE eine Lösung zur Behältererfassung installiert (Ein- und Auslagern, Inventur). Alle Behälter und ihre Container wurden mit 2D-Codes versehen, ebenso die Lagerplätze. Durch das mobile Scannen der Codes und ein logisches Verknüpfen der Informationen ist nun jederzeit bekannt, welcher Behälter wann wo ist. Im Vordergrund stand die Sicherheit der Mitarbeiter. Deshalb kommen hier seither die Long-Range-Scanner CK3 von Honeywell zum Einsatz. Mit Pistolengriff und integrierter Beleuchtung ist das Scannen der 2D-Codes auch in relativ dunklen Bereichen bis zu acht Meter weit möglich. Somit kann der Mitarbeiter bei der Erfassung der Daten einen ausreichenden Sicherheitsabstand zum strahlenden Behälter einhalten, zugleich wird die Dokumentationspflicht erfüllt.

Da bei der KTE die gescannten Daten direkt in die Datenbank überführt werden sollten, war der Aufbau einer Wireless-Infrastruktur erforderlich. Die CK3-Scanner von Honeywell unterstützen den Industriestandard 802.11 a/b/g/n. Somit können die Daten flexibel und ortsunabhängig über das WLAN-Netz zum Kommunikationsserver übermitteln werden. Die Lösung reduziert die gesundheitliche Gefährdung der Lagermitarbeiter, liefert eine hohe Datenqualität und gewährleistet die Einhaltung der Anforderungen einschlägiger Normen (Strahlenschutzverordnung).

 

Track & Trace im Lager der JEN

Im Rahmen einer von den Behörden geforderten Umrüstung hat auch die JEN gemeinsam mit der Circlon | group ein System zur Erfassung von Ein- und Umlagerungen unter Verwendung von 2D-Codes und zugehöriger Handscanner entwickelt und eingeführt. Auch hier erfolgt eine Kennzeichnung der Abfallfässer, Container, Fassgestelle und Lagerpositionen (Koordinaten) mittels 2D-Codes, die mit den mobilen Long-Range-Scannern CK3 von Honeywell bei ausreichendem Sicherheitsabstand gelesen werden.

Der 2D-Code für Abfallfässer beinhaltet neben einer Kennnummer noch weitere Informationen, die von den Handscannern angezeigt werden. Die Kennnummer der Abfälle entspricht dem sogenannten Primärschlüssel, den das Abfallfluss-Verfolgungs- und Produktkontrollsystem (AVK) generiert. Erik Kisant erläutert die Bedeutung der Codierung: „Die Kennzeichnung ermöglicht eine logische Gruppierung von Abfallfässern zu Chargen und die Zuordnung von Fässern zu Containern und Fassgestellen. Außerdem können Fässer, Container und Fassgestelle verschiedenen Lagerpositionen zugeordnet werden. Darüber hinaus ist das Auslesen relevanter Abfallinformationen aus sicherer Entfernung möglich. Die Zusatzinformationen geben Aufschluss über die vom Abfallgebinde ausgehende Gefährdung für die Mitarbeiter.“

Die dargestellte Lösung zeigt, dass die Circlon | group auch ungewöhnliche und anspruchsvolle Anwendungen außerhalb seiner üblichen Kernbranchen, wie Logistik oder Handel, erfolgreich umsetzt. Bei der Entsorgung des radioaktiven Abfalls werden die Codes ordnungsgemäß im Sinne der Arbeitssicherheit und unter berufsgenossenschaftlichen Gesichtspunkten erfasst, zudem ist die Nachverfolgung der gefährlichen Güter gemäß den strengen gesetzlichen Auflagen gewährleistet. Weiterhin können die Anwender nun der von der Strahlenschutzverordnung geforderten Dokumentationspflicht nachgekommen.
 

Anmerkung: Der Beitrag beruht auf einen Vortrag, den Erik Kisant Ende März auf der KONTEC 2019 in Dresden zum Thema: „Erfassung von Lagerbewegungen auf Basis von 2D-Code-Scannern und elektronischer Transportbegleitschein“ hielt. Ausführliche Informationen zur KONTEC 2019 erhalten Sie unter www.kontec-symposium.de.

 

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